Kürzlich wurde ich ziemlich überrascht von einer Hundebesitzerin gefragt: „Warum MUSS euer Hund denn an der Schleppleine sein?“ Meine Antwort darauf ist ganz einfach: Filou muss nicht – er darf.
Filou, unser Bolonka Zwetna (intakter Rüde), ist inzwischen sechs Jahre alt. Manchmal läuft er frei, manchmal an der Schleppleine. Meistens ist er gut abrufbar, manchmal aber auch nicht 😉. Seit er ein Welpe war, nutzen wir die Schleppleine – in verschiedenen Längen, je nach Situation: 1,5 Meter, 7 Meter, 10 Meter oder auch 25 Meter.
Und nein: Für mich war sie nie ein Zeichen von Begrenzung oder Freiheitsentzug, schon gar nicht eine Strafe.
Im Gegenteil: Die langen Leine gibt mir die Freiheit auch im nahen Naturschutzgebiet tolle Gänge zu haben.Dazu kommt, dass ich mit meinem Hund verbunden bleibe – nicht körperlich festgezurrt, sondern über eine unsichtbare, feine Verbindung. Ich zwinge ihn nicht an eine kurze 1 Meter-Leine (die kommt sicherheitshalber höchstens in der Stadt an den Hund) bei Fuss, rucke nicht, ziehe nicht. Stattdessen darf er sein Ding machen, während ich ihn begleite. Wir gehen miteinander durchs Leben – von Herz zu Herz. Wenn er stehenbleibt, bleibe auch ich auch stehen ich halte Abstand und lasse ihm Raum und Zeit. Ich schaue ihm dabei zu, wie er mit voller Konzentration seine Nasenarbeit betreibt. Und wenn er mich ansieht, beantworte ich seine „Fragen“. So signalisiere ich ihm: Ich bin da, ich bin bei dir.
Mit der Schleppleine ist man automatisch viel näher bei seinem Hund. Konzentration ist gefragt: Leine geben, Leine einziehen – das verlangt Aufmerksamkeit. Handy? Vielleicht mal für ein Foto oder eine Aufzeichnung, um anderen etwas zu zeigen. Aber telefonieren und stundenlang quatschen? Fehlanzeige. Ablenkung geht nicht. Wer mit Schleppi unterwegs ist, ist präsent – beim Hund. Darum gehe ich tatsächlich auch sehr gerne alleine nur mit Filou und meide gemeinsame Spaziergänge.
Die Leine gibt Filou auch Sicherheit. Wenn er müde wird oder sich vor etwas gruselt, spürt er den Halt der Leine. Das hilft ihm, Hindernisse mutiger zu überwinden und stärkt sein Selbstbewusstsein.
Natürlich nutze ich die Leine auch aus praktischen Gründen: An Strassen, wenn läufige Hündinnen seinen Kopf verdrehen oder wenn in der Schweiz von April bis August im Wald Leinenpflicht herrscht. Mit 25 Metern Länge ist trotzdem genug Raum, um auf Entdeckungsreise zu gehen.
Für uns ist die Schleppleine also kein Zwang, sondern ein wunderbares Hilfsmittel, das Sicherheit, Nähe und Freiheit miteinander verbindet. Vielleicht ist es an der Zeit, die „ach so verpönte Leine“ mit neuen Augen zu sehen.
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