Ich lasse nicht los, um neu zu werden.
Ich bleibe, um bewusst weiterzugehen.
Der 1. Januar ist für mich kein Neubeginn.
Er fühlt sich nicht nach „alles hinter mir lassen“ an. Ich möchte genau so bleiben, wie ich bin. Mit allem, was 2025 mir gezeigt, abverlangt und geschenkt hat.
Ich beginne das neue Jahr trotzdem mit einem Ritual. Nicht um mich neu zu erfinden – sondern um bei mir anzukommen. Im Hamam, zuhause, in Wärme und Dampf.
Ohne Eile. Ohne Vorsätze.
Die Haut wird weich, der Atem ruhig. Ich wiederhole dieses Ritual dreimal. Nicht aus Tradition, sondern aus Erfahrung. Weil Wieder- holung Raum schafft. Zum Wahrnehmen. Zum Reflektieren.
Dafür verwende ich eine selbstgemachte marokkanische Black Soap (Beldi). Aus Olivenöl, Arganöl und Oliven, mit KOH verseift. Fünf Jahre alt – und heute genau richtig.
Weich, tief, kraftvoll.
Damals habe ich Eukalyptus, Cajeput und Zeder hineingegeben –hier ganz bewusst als Duft und als Wirkstoff.
Mit dem Kese-Handschuh streife ich die Haut sanft ab. Nicht, um etwas loszuwerden. Sondern um Platz zu schaffen für das, was bleiben darf. Erfahrungen verschwinden nicht.
Sie sitzen tiefer.
Sie gehören zu mir.
Nach dem letzten Durchgang spüle ich alles mit warmem Wasser ab. Dann nichts mehr. Keine Creme, keine Lotion - keine Pflege.
Nur dieses Gefühl:
Ich darf weitergehen, wie ich bin.
Aufmerksam. Lernend.
Und zuversichtlich.

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